Das Ameisen-Blog

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Meinungen

Ameisen Poesie
Is der blog jetz tot?
Betten Hamburg - 19. Mai, 11:17
Woher
Wie hies den die Seite wo du das Ameisenvolk gefunden...
Leif Krieger - 22. Jul, 21:32
Frohe Ostern
Hallo, ich möchte Dir einen herzlichen Gruß...
Michael - 6. Apr, 07:26

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Ameisenfarm

Freitag, 12. Oktober 2007

Myrmecologie

Das schöne an neuen Hobbys ist ja, dass man neue Wörter lernt. Das Spuma der Molekularküche. Das Assana beim Yoga. Und nur Schaschpieler reden von königsindisch. Seit ich die Ameisen habe, kann ich Myrmekologe mühelos buchstabieren. Ich kann sagen, dass meine Ameisen hypogäisch (unterirdisch) und mesophil (bei Temperatur und Feuchte keine Extreme mögen) leben. Die Formicophilie und das Einmeisen hatten wir ja schon. Die Ameisen brachten mir die Worte monogyn und polygyn. Ist es nicht ein wundervolles Wortzwillingspaar? Ich bin sicher der hochgeschätzte Sprachbloggeur nebenan beneidet mich um diese Wörter. Das Zwillingspaar unterscheidet, ob ein Ameisenvolk eine oder mehrer Herrscherinnen hat. Die Bergiffe sollten Eingang in meinen Alltagswortschatz finden. Ich finde Eure Redaktion etwas polygyn könnte ein vorsichtiger Hinweis sein, dass die Machtverteilung auf zu vielen Schultern lastet. Auch eine Party ist polygyn wohl spannender als monogyn. Von der Yellow Press gar nicht zu reden.
Mein liebstes Wort ist fouragieren. Es meint die Nahrungsbeschaffung, die meine Lasius niger vorwiegend nachts unternehmen.
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Mittwoch, 10. Oktober 2007

Tod

Der erste leblose kleine Körper hinter Glas ließ mich schon schlucken. Beim zweiten reagierte ich wesentlich gefasster. Gut, auch meine anderen Haustiere sind gestorben. Und da war ich traurig. Gekrümmt lag sie in der Arena. Doch bei einer Ameise?
Bei der zweiten Ameise stellte sich die Friedhoffrage. Meine Frau war strikt gegen einen Bestattungsblumentopf. Eine Feuerbestattung fand ich widernatürlich. Also haben wir sie draussen bestattet. Man könnte die Form der Bestattung Luftbestattung nennen. Aus Pietätsgründen sei nur verraten, dass ein offenes Fenster bei der Zeremonie eine Rolle spielt.
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Montag, 24. September 2007

Eisschokolade

Morgens, halb zehn in Deutschland. Es ist Sonntag. »Was ist eigentlich in der Tüte im Eisfach?« fragt meine Frau, greift nach dem Schokoladeneis und mixt sich eine Eisschokolade. Was soll ich sagen? Diskutieren Sie mal auf leeren Magen über Fliegenmaden im Familienkühlschrank. Ja, seit zwei Monaten lagert Ameisenfutter neben dem Schokoladeneis. Am Sonntag dachte ich, ob Technikjournalismus nicht was für mich wäre. »In der Tüte ist ein neues arktistaugliches Handy«, das wäre eine souveräne Antwort gewesen. Aber »Das sind nur Maden«?
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Montag, 17. September 2007

Ameisen-TV (2): der Ausbruchs-Test

Nach dem traurigen (vorerst) Ende von Antaxas Ameisen-Livecam freue ich mich eine winzige Entschädigung präsentieren zu können: Das neue Ameisen-TV ist da. In Folge zwei geht es um Ausbrüche.


PM-Ameisen TV 2: Der Ausbruchs-Test - MyVideo

Ausbruch

»Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.« sagte der Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht. Ein wenig später fing er an, eine Mauer zu bauen. Nicht, dass mir Ulbricht irgendwie sympathisch wäre. In keinster Weise, das will ich betonen. Nur hatte ich auch vor, keine Mauer zu bauen. Als die Ameisen kamen wollte ich ein gütiger Staatschef sein. Eine vertrauensvolle friedliche Koexistenz zweier Völker schwebte mir vor. Bis ich eines Tages unachtsam war und den Deckel nicht richtig schloss. Eine Ameise nutzte die Gunst der Stunde. Aus war es mit der Koexistenz.
Als ich sie über mein Bücherregal klettern sehe, pocht in meinem Kopf die Mahnung der Schädlingsbekämpfer: »Schließen Sie nun alle Fenster und Türen sowie andere Fluchtmöglichkeiten.« Schließe ich sie vor mir? Hinter mir? Dann erinnere ich mich an die Worte des Redakteurs. Genau das ist der Reiz hatte er gesagt: Wenn die Ameisen bei mir zu Hause ausbrechen wird das Blog spannend. Mutig werfe ich einen Blick unter die Abdeckung: Ihre Majestät Königin Sri ist noch da. Vielleicht war alles nur ein Versehen.
Bis dahin hatte ich den Schutz vernachlässigt. Jetzt informierte ich mich. Ausbruchsschutz ist unter Ameisenhaltern eine Glaubenssache. Ich beschliesse die Sache gründlich anzugehen. Eine ganze Folge Ameisen-TV ist daraus entstanden.
Es gibt tolles flüssiges Teflon: PTFE. Da rutschen die Ameisen einfach ab. Nach einem halben Tag Arbeit weiß ich: PTFE ist ein Teufelszeug. Es ist völlig flüssig. Und es spritzt. Meine Arme sind Teflonbeschichtet, die Arena nicht.
Paraffinöl ist die billige Alternative. Die hatte ich gleich mit bestellt. Das Öl soll die Ameisen durch seine Klebrigkeit abschrecken.Und so ist es: Es hilft. Aber es verklebt und verschmiert alles. Einschließlich der Ameisen. Ab sofort konnte ich nur noch ein Verhalten beobachten: Sich putzende Ameisen. Ich brauchte eine halbe Flasche Glasreiniger um das Öl wieder wegzubekommen.
Die meisten Ameisenforscher schwören auf Talkum. Ich war da skeptisch. Die Kreidekreise die ich als Kind gezeichnet habe, haben die Ameisen früher auch immer durchbrochen. Aber nach dem enttäuschenden Test von Teflon und Öl bleibt mir keine Wahl.
Feines weißes Pulver rieselt mir aus der Papiertüte entgegen. Wenn es auf dem Glas liegt und sich eine Ameise dranklammert, soll es abbröckeln. Samt Ameise. Das klingt logisch. Aber es aufs Glas zu bekommen ist eine andere Sache: Mit Wasser wird es zu Brei. Ein Pinsel trübt die Scheibe ein. Es klappt hervorragend.
»Sind schon welche ausgebrochen?« fragt am Wochenende mal wieder jemand, dem Ameisenblog erzähle. Tapfer sage ich wie immer: Nein. Und kontrolliere zu Hause die Grenze.
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Montag, 20. August 2007

Ameisen-Literatur

Als ich mit dem Ameisenexperiment anfing, besaß ich zwei Fachbücher über Ameisen. Mein altes Biologie-Buch und ein Kochbuch. Beide standen jahrelang unbenutzt im Schrank. Im Bio-Buch haben die Ameisen eine Drittel-Seite zwischen Wespen und Schlupfwespen. Dort steht, dass Ameisen Hautflügler sind und die Arbeiterinnen bis zu sechs Jahre alt werden, die Königinnen 15 Jahre. Das ist ziemlich exakt das, was ich auch aus der Schule über Ameisen behalten habe.
Im Kochbuch »Strange Food« wird erklärt wie man einen Elefanten gart und tausendjährige Eier macht. Beides habe ich bisher nicht gebraucht. Aber es behandelt Ameisen und Termiten ausführlich auf sechs Seiten. Autor Jerry Hopkins schreibt, dass Ameisen weltweit als Proteinquellen geschätzt werden: »Sie haben einen köstlichen Geschmack und werden meist in Butter gebraten oder mit Knoblauch und Zwiebeln zubereitet serviert.« Keines der beiden Büchern hat mir bisher entscheidend weitergeholfen meine mindestens vierzig Haustiere zu verstehen.
Also habe ich begonnen Bücher zu kaufen. Gerade ist das Buch »Mieses Karma« von David Safier angekommen. Am Anfang gewinnt eine Moderatorin den Deutschen Fernsehpreis. Nicht genug, dass sie auf dem Heimweg von Weltraummüll erschlagen wird; im Himmel wird sie auch noch in eine Ameise verwandelt. Bisher dachte ich, mein Bücherregal sei mit den Ameisen um vierzig intelligente Köpfe gewachsen. Jetzt habe ich Angst, dass eine verzauberte Fernsehmoderatorin in meinem Formicarium herumkrabbelt und Fliegen fängt.
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Donnerstag, 16. August 2007

Goldene Ameisen

Carl Fredric von Breda, Ausschnitt aus dem »Porträt einer jungen Dame mit Goldfischen« Vorhin ist es wieder passiert. Manchmal verwechsle ich meine Ameisen mit Goldfischen. Dann tue ich zuviel Wasser hinein. Ich habe kein Gefühl für die richtige Menge. Als unterste Schicht habe ich Hydrokultur eingefüllt. Das hilft bei Pflanzen ganz gut.
Mein Ameisengewächshaus reagiert feiner. Zum Glück ist das Formicarium nicht dicht. Das überschüssige Wasser läuft unten heraus. Und bewahrt die Ihre Majestät Sri vor dem Ertrinken. Das Formicarium steht in meinem Bücherregal. Foucaults ›Überwachen und Strafen‹ daneben ist schon ganz wellig.

Lieber Alpha-Ameisenhalter als Beta-Haustiere

Uns Ameisenhaltern geht es wie Taubenfans und Rattenfreunden: Wir halten Ungeziefer. Es gibt Menschen die sich schütteln, wenn ich ihnen erzähle, dass ich Ameisen halte. Wir haben ein Imageproblem. Wir stehen im gesellschaftlichen Ansehen nur knapp über Bloggern. alpha, © Jakob Vicari für P.M.Es hilft also auch nichts, wenn ich mich zum Alpha-Ameisenhalter erklären würde.
Aber unter den Ungezieferfreunden sind wir Ameisenhalter die mutigeren. Ich kenne weder Ratten- noch Taubenblogs. Dafür sind in meinem Blogroll zehn Ameisenblogs. Vielleicht liegt das daran, dass Ameisenhalter sich nicht treffen.
Rattenhalter treffen sich. Sie können ihre Ratten auf der Schulter rumzeigen. Taubenhalter treffen sich. Sie können Wettfliegen veranstalten. Eine Ameise auf der Schulter macht nichts her. Es gibt keinen Ameisen-Sport. Es gibt keinen Ameisen-Zuchtverein. Es gibt keine Fernsehwerbung für Ameisenfutter. Wir Ameisenhalter sind soetwas wie Taubenhalter ohne Schlag. Vielleicht mache ich ja Ringe an meine Ameisen.
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Freitag, 3. August 2007

Ameisen-Vielfalt

Es gibt über 10000 verschiedene Ameisen-Arten. Rote, gelbe, sogar goldene. Eigentlich wollte ich Blattschneiderameisen. Das sind die, die in Tierfilmen immer so eindrucksvoll Blätter durch die Gegend wuchten. Dann las ich einen Bericht, wie Blattschneiderameisen einen Kölner Garten kahl gefressen haben. Sie brauchen Unmengen an Blüten für ihre Pilzzuchten.
Im Sinne meiner Mietwohnung habe ich mich für Artikelnummer 365 entschieden. Seit vierzehn Tagen hüte ich die schwarze Wegameise. »Eine ideale Ameise für den Anfänger«, steht in der Beschreibung. Die gibt es draussen in jeder Bodenritze. Hätten Wegameisen meine Pflanzen plündern wollen, wären sie längst vom Gehweg reingekommen. Bisher haben sie meine Zimmerpflanzen nicht interessiert.
Auch wenn ich nicht verstehe, wie sie da draussen ohne Fürsorge auskommen. Jeden Tag putze ich das Becken, sammle ihre Abfälle ein, ich wechsle das Wasser und füttere sie. Meine Freunde fragen mich zuerst nach den Ameisen, bevor sie fragen wie es mir geht. Ich verbringe mehr Zeit vor dem Ameisenbecken als vor dem Fernseher oder am Telefon. Wegen dem Verbindungsschlauch quer durch mein Bücherregal komme ich nicht mehr an die Autoren mit »H«. Seit ich gesehen habe, wie schnell die Ameisen kleine Fliegen töten, traue ich mich nicht mehr, den Schlauch abzunehmen.
Heute habe ich das erste Mal an Oktober gedacht – dann beginnt die Winterruhe. Wir Ameisenhalter haben den selben Vorteil wie Besitzer von Eiscafés: Die Hälfte des Jahres haben wir frei. Die Ameisen kommen dann in den Kühlschrank zwischen die angebrochenen Marmeladengläser.
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Montag, 23. Juli 2007

Der Umzug

Ich habe viele Kommentare zum Video bekommen. Gerade zum Umzug. Die Ameisen kommen in einem wenig schönen Reagenzglas. Die namenlose Königin sitzt auf Watte. Die Watte trennt das oben, das sind die Ameisen und etwas Zucker vom darunter, dem Wasser. Mehr braucht ein primitives Staatswesen nicht. Ich habe zwei Tage vor einem Plastik-Schlauch gekniet. Ein Ameisenvolk darf man nicht ausschütten. Es muss selbst umziehen, soviel weiß ich. Durch den Schlauch soll mein Ameisenvolk in sein Formicarium wandern. Doch es wandert nicht: fünfzehn schwarze Wegameisen sitzen vierzig Ameisenlängen hoch in einem durchsichtigen Plastikschlauch.
Und während man mit einer neuen Katze intuitiv umgehen kann, ist das mit Ameisen schwieriger. Man krault eine Ameisenkönigin ja nicht zur Begrüßung zwischen den Ohren. Man kann auch niemanden anrufen und um Rat fragen: Ich kenne Hundehalter und Katzenbesitzer. Aber ich kenne keine anderen Ameisenhalter. Ich habe nur die Broschüre »Grundlagen der Ameisenhaltung«. Die gab es beim Kauf dazu.
»Eine Ameisenkolonie ist das ideale Haustier«, steht dort. Denn sie sei platzsparend, stinke nicht und mache keine Geräusche. Anders ausgedrückt: Ameisen fehlt all das, was Hunde und Katzen so sympathisch macht. Ich schaue nochmal in den Schlauch. Eine unheimliche Vorstellung, dass in diesem 10 Millimeter dicken Silikonschlauch Intelligenz steckt. Und der Wille, die Welt zu erobern.
Nur dass meinen Ameisen dieser Wille zur Invasion zu fehlen scheint. Sie sitzen in ihrem Silikonschlauch. Es stört sie nicht, dass das nicht artgerecht ist. Mich schon: Man bekommt schnell Leserbriefe von Tierschützern. Und wozu habe ich fünf Schichten Lehm artgerecht geschichtet, gewässert und verfestigt? Die Königin putzt sich gelassen.
Nach zwei Tagen habe ich beschlossen: Ich überrede sie zum Umzug.
Erst versuche ich es mit Licht. Die Königin putzt sich immer noch. Dann hole ich den Fön. Die Arbeiterinnen reißen der Königin fast ihre Beine aus. Dann setzt sie sich in Bewegung. Träge läuft sie über den roten Lehm ins artgerechte Loch. Und ich habe mir einen Bürostuhl gekauft, mit dem ich mich auf Facettenaugenhöhe begeben kann.
Die faule Königin, © Jakob Vicari für P.M.
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