Ameisen-Menschen (2): Die Forscherin
Vor einer Woche hat der Fotograf Volker Steger meinen Fragebogen ausgefüllt. Diese Woche wird es wissenschaftlich: Dr. Audrey Dussutour ist der aufstrebende Stern am Himmel der Ameisenforscher. Ihre Experimente zur Verkehrsregelung unter Ameisen erschienen in der Zeitschrift Nature. Sie hat herausgefunden, dass Ameisen nie zusammenstossen. Die 29-jährige forscht an der Universität Sydney.
1. Um wieviele Ameisen kümmern Sie sich?*
Aktuell kümmere ich mich um 20 Kolonien Rhytidoponera metallica , eine australische Art die metalisch schimmert:
.
Und um 10 Kolonien Pheidole Megacephala, die ursprünglich aus Afrika kommt. Heute findet man sie um die ganze Welt weil es eine invasive Art ist.
Ich habe dazu zwei Camponotes in meinem Büro, die ich in einem Park eingefangen habe um sie meiner Sammlung zuzuführen. Es widerstrebt mir, sie in Alkohol umzubringen, also füttere ich sie und warte, bis sie von selbst sterben. Jetzt habe ich sie schon 12 Monate!!
2. Warum ausgerechnet Ameisen?
Mich fasziniert die Komplexität ihres Verhalten und die Verwirklichung. Die Analogie die wir zwischen ihrem und unserem Tun ziehen lässt uns die Funktion ihrer Gesellschaften menschenähnlich interpretieren und ihrem Verhalten einen moralischen Wert zuschreiben.
Bei den Ameisen ist die Funktionsweise der Koordination aber komplett dezentral (keine Führer). Man spricht von »selbst-organisierenden« Gruppen. Die Ameisen haben keine Vorstellung oder Kenntnis von der großen Struktur die sie erzeugt und in der sie leben (zum Beispiel das Nest). Als gäbe es eine kollektive »Intelligenz«aus zahlreichen schlichten Einzelnen.
Zum Beispiel: Beim Menschen steht in den meisten Fällen am Beginn einer Konstruktion ein Architekt. Die Arbeiter folgen den Anweisungen des Architekten. Bei den ameisen gibt es nur die Arbeiter, die sich selbst organisieren.
3. Welche Leistung von Ameisen bewundern Sie am meisten?
Alles was sie bauen, die Architektur der Ameisennester ist unglaublich. Bei den Blattschneiderameisen können die Galerien 6 Meter in die Tiefe gehen (das sind in menschlichem Maßstab 3500 Meter!) und sich in 1900 Kammern gliedern. Ihr Wege-Netz ebenfalls: Waldameisen können es bis auf 100 Kilometer ausbauen.
4. Welche Gabe der Ameisen möchten Sie besitzen?
Ihre Flexibilität!Die Ameisen finden immer eine Lösung für Probleme, die man ihnen als Experimentator stellt. Es ist wirklich schwierig, die Ameisen hinters Licht zu führen! Ich untersuche seit 7 Jahren den Verkehr von Ameisen und habe noch nie einen Zusammenstoß gesehen!
5. Ihr schönster Ameisen-Moment?
Wenn ich Nester in der Natur einsammle und die Königin finde. Das ist, wie einen Schatz zu finden.
6. Ihre Heldinnen in der Ameisen-Welt?
Die Ameisen von Gary Clark.
7. Welches ist der größte Irrtum über Ameisen?
Zu glauben, die Königin dirigiere den Ameisenhaufen!
*Audrey Dussutour hat auf meine englischen Fragen französisch geantwortet. Wie soll man das bloß übersetzen?
www.audrey-dussutour.net
1. Um wieviele Ameisen kümmern Sie sich?*
Aktuell kümmere ich mich um 20 Kolonien Rhytidoponera metallica , eine australische Art die metalisch schimmert:
.Und um 10 Kolonien Pheidole Megacephala, die ursprünglich aus Afrika kommt. Heute findet man sie um die ganze Welt weil es eine invasive Art ist.

Ich habe dazu zwei Camponotes in meinem Büro, die ich in einem Park eingefangen habe um sie meiner Sammlung zuzuführen. Es widerstrebt mir, sie in Alkohol umzubringen, also füttere ich sie und warte, bis sie von selbst sterben. Jetzt habe ich sie schon 12 Monate!!
2. Warum ausgerechnet Ameisen?
Mich fasziniert die Komplexität ihres Verhalten und die Verwirklichung. Die Analogie die wir zwischen ihrem und unserem Tun ziehen lässt uns die Funktion ihrer Gesellschaften menschenähnlich interpretieren und ihrem Verhalten einen moralischen Wert zuschreiben.
Bei den Ameisen ist die Funktionsweise der Koordination aber komplett dezentral (keine Führer). Man spricht von »selbst-organisierenden« Gruppen. Die Ameisen haben keine Vorstellung oder Kenntnis von der großen Struktur die sie erzeugt und in der sie leben (zum Beispiel das Nest). Als gäbe es eine kollektive »Intelligenz«aus zahlreichen schlichten Einzelnen.
Zum Beispiel: Beim Menschen steht in den meisten Fällen am Beginn einer Konstruktion ein Architekt. Die Arbeiter folgen den Anweisungen des Architekten. Bei den ameisen gibt es nur die Arbeiter, die sich selbst organisieren.
3. Welche Leistung von Ameisen bewundern Sie am meisten?Alles was sie bauen, die Architektur der Ameisennester ist unglaublich. Bei den Blattschneiderameisen können die Galerien 6 Meter in die Tiefe gehen (das sind in menschlichem Maßstab 3500 Meter!) und sich in 1900 Kammern gliedern. Ihr Wege-Netz ebenfalls: Waldameisen können es bis auf 100 Kilometer ausbauen.
4. Welche Gabe der Ameisen möchten Sie besitzen?
Ihre Flexibilität!Die Ameisen finden immer eine Lösung für Probleme, die man ihnen als Experimentator stellt. Es ist wirklich schwierig, die Ameisen hinters Licht zu führen! Ich untersuche seit 7 Jahren den Verkehr von Ameisen und habe noch nie einen Zusammenstoß gesehen!
5. Ihr schönster Ameisen-Moment?
Wenn ich Nester in der Natur einsammle und die Königin finde. Das ist, wie einen Schatz zu finden.
6. Ihre Heldinnen in der Ameisen-Welt?
Die Ameisen von Gary Clark.
7. Welches ist der größte Irrtum über Ameisen?
Zu glauben, die Königin dirigiere den Ameisenhaufen!
*Audrey Dussutour hat auf meine englischen Fragen französisch geantwortet. Wie soll man das bloß übersetzen?
www.audrey-dussutour.net
Jakob Vicari – 7. Aug, 11:02



Wettbewerb um Lebensjahre
Das ist Ihnen doch sehr gut gelungen!
Frage 1. Um wieviele Ameisen kümmern Sie sich?*
----„Ich habe dazu zwei Camponotes in meinem Büro, die ich in einem Park eingefangen habe um sie meiner Sammlung zuzuführen. Es widerstrebt mir, sie in Alkohol umzubringen, also füttere ich sie und warte, bis sie von selbst sterben. Jetzt habe ich sie schon 12 Monate!!“
In der Zeitschrift der DASW gibt es einen Artikel von A. Buschinger: Lang lebe die Königin! Ameisenschutz aktuell 18, 83-88.
Die älteste Königin in Gefangenschaft war eine Lasius niger, die 28 ¾ Jahre erreichte (ob Sie das auch schaffen, Herr Vicari??).
Ausgerechnet ebenfalls eine AUSTRALISCHE Rossameise, also eine Camponotus-Art, hatte sich C.P. Haskins ausgesucht um einen Wettlauf in Langlebigkeit zu starten. Er hielt eine Königin ab Januar 1968 und hoffte, den Rekord der Lasius niger zu überbieten. Es war auch ein Wettbewerb zwischen ihm selbst und der Ameise: Er hätte selbst 89 Jahre alt werden müssen um den 28 ¾ sten Geburtstag seiner Königin feiern zu können. Die Königin starb vorzeitig im Mai 1992 im Alter von 23 Jahren. Haskins selbst hätte den Wettlauf locker gewonnen, er starb 2001 im Alter von 93 Jahren!
Ob Frau Dussutour weiß, worauf sie sich einlässt? ;-)
Lang lebe die Weblog-Technologie