Der Umzug
Ich habe viele Kommentare zum Video bekommen. Gerade zum Umzug. Die Ameisen kommen in einem wenig schönen Reagenzglas. Die namenlose Königin sitzt auf Watte. Die Watte trennt das oben, das sind die Ameisen und etwas Zucker vom darunter, dem Wasser. Mehr braucht ein primitives Staatswesen nicht. Ich habe zwei Tage vor einem Plastik-Schlauch gekniet. Ein Ameisenvolk darf man nicht ausschütten. Es muss selbst umziehen, soviel weiß ich. Durch den Schlauch soll mein Ameisenvolk in sein Formicarium wandern. Doch es wandert nicht: fünfzehn schwarze Wegameisen sitzen vierzig Ameisenlängen hoch in einem durchsichtigen Plastikschlauch.
Und während man mit einer neuen Katze intuitiv umgehen kann, ist das mit Ameisen schwieriger. Man krault eine Ameisenkönigin ja nicht zur Begrüßung zwischen den Ohren. Man kann auch niemanden anrufen und um Rat fragen: Ich kenne Hundehalter und Katzenbesitzer. Aber ich kenne keine anderen Ameisenhalter. Ich habe nur die Broschüre »Grundlagen der Ameisenhaltung«. Die gab es beim Kauf dazu.
»Eine Ameisenkolonie ist das ideale Haustier«, steht dort. Denn sie sei platzsparend, stinke nicht und mache keine Geräusche. Anders ausgedrückt: Ameisen fehlt all das, was Hunde und Katzen so sympathisch macht. Ich schaue nochmal in den Schlauch. Eine unheimliche Vorstellung, dass in diesem 10 Millimeter dicken Silikonschlauch Intelligenz steckt. Und der Wille, die Welt zu erobern.
Nur dass meinen Ameisen dieser Wille zur Invasion zu fehlen scheint. Sie sitzen in ihrem Silikonschlauch. Es stört sie nicht, dass das nicht artgerecht ist. Mich schon: Man bekommt schnell Leserbriefe von Tierschützern. Und wozu habe ich fünf Schichten Lehm artgerecht geschichtet, gewässert und verfestigt? Die Königin putzt sich gelassen.
Nach zwei Tagen habe ich beschlossen: Ich überrede sie zum Umzug.
Erst versuche ich es mit Licht. Die Königin putzt sich immer noch. Dann hole ich den Fön. Die Arbeiterinnen reißen der Königin fast ihre Beine aus. Dann setzt sie sich in Bewegung. Träge läuft sie über den roten Lehm ins artgerechte Loch. Und ich habe mir einen Bürostuhl gekauft, mit dem ich mich auf Facettenaugenhöhe begeben kann.

Und während man mit einer neuen Katze intuitiv umgehen kann, ist das mit Ameisen schwieriger. Man krault eine Ameisenkönigin ja nicht zur Begrüßung zwischen den Ohren. Man kann auch niemanden anrufen und um Rat fragen: Ich kenne Hundehalter und Katzenbesitzer. Aber ich kenne keine anderen Ameisenhalter. Ich habe nur die Broschüre »Grundlagen der Ameisenhaltung«. Die gab es beim Kauf dazu.
»Eine Ameisenkolonie ist das ideale Haustier«, steht dort. Denn sie sei platzsparend, stinke nicht und mache keine Geräusche. Anders ausgedrückt: Ameisen fehlt all das, was Hunde und Katzen so sympathisch macht. Ich schaue nochmal in den Schlauch. Eine unheimliche Vorstellung, dass in diesem 10 Millimeter dicken Silikonschlauch Intelligenz steckt. Und der Wille, die Welt zu erobern.
Nur dass meinen Ameisen dieser Wille zur Invasion zu fehlen scheint. Sie sitzen in ihrem Silikonschlauch. Es stört sie nicht, dass das nicht artgerecht ist. Mich schon: Man bekommt schnell Leserbriefe von Tierschützern. Und wozu habe ich fünf Schichten Lehm artgerecht geschichtet, gewässert und verfestigt? Die Königin putzt sich gelassen.
Nach zwei Tagen habe ich beschlossen: Ich überrede sie zum Umzug.
Erst versuche ich es mit Licht. Die Königin putzt sich immer noch. Dann hole ich den Fön. Die Arbeiterinnen reißen der Königin fast ihre Beine aus. Dann setzt sie sich in Bewegung. Träge läuft sie über den roten Lehm ins artgerechte Loch. Und ich habe mir einen Bürostuhl gekauft, mit dem ich mich auf Facettenaugenhöhe begeben kann.

Jakob Vicari – 23. Jul, 08:57


